Der Schwarz-Gelbe Fauxpas des Monats Juli
Der monatliche Fehltritt der Koalition soll sich aus gegebenem Anlass schon auf den 30.06.10 datieren. An diesem historischen Datum wurde Herr Wulff zum zehnten Bundespräsidenten der Bundesrepublik gewählt. Mit 625 Stimmen der Bundesversammlung, also einem überragenden Zuspruch, wurde der Beste der Kandidaten gewählt. Das klingt überwältigend, ist aber Nonsens. Die Wahrheit ist eine andere. Erst nach zwei verlorenen Wahlgängen konnte der Kandidat der Koalition die notwendige Mehrheit auf sich vereinigen. Das ist eine bittere Tatsache und zugleich eine „Watsche“ für die Kanzlerin. Die jedoch sieht das naturgegeben ganz anders. Bloß keine weitere Zwietracht in der Koalition. Denn am Ende will es niemand gewesen sein, der Wulff und eben oder gerade auch der Kanzlerin die Gefolgschaft verweigerte. Gegenseitige Schuldzuweisungen, hin- und her. Ein würdevoller Umgang mit dem Amt des Bundespräsidenten – von der Kanzlerin immer gefordert – sieht anders aus. Getreu ihrem Motto „Entscheidend ist, was hinten dabei herauskommt“, redet sie sich die Wahl schön. Hier jedoch handelt es sich um die Wahl zum höchsten Staatsamt der Bundesrepublik, nicht um die Bedienungsanleitung eines Rechenschiebers.
Thematisiert werden muss auch das „Wie“ einer solchen Wahl. Absolut unbeachtet blieb die „Stimme de Volkes“, die sich einen anderen Kandidaten zum Präsidenten wünschte. Gauck, der Kandidat der SPD und der Grünen, beheimatet im konservativen Lager, sorgte für Unsicherheiten bei der schwarz-gelben Koalition. Der Gegenkandidat hat es zumindest geschafft das stumpfe Befolgen einer offiziell nicht vorhandenen Fraktionsdisziplin zum wackeln zu bringen – mehr nicht, aber das sollte es wohl auch nicht sein. Dieser Ansicht folgten anscheinend auch einige der Wahlfrauen und -männer der Bundesversammlung. Gerade auch deswegen, weil die Zustimmung zur Kanzlerin im Allgemeinen schwindet.
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